Ratgeber
Die elektronische Gesundheitskarte
Bis zum 1.1.2006 sollen alle 70 Millionen gesetzlich und privat Krankenversicherten in Deutschland eine elektronische Gesundheitskarte erhalten. So sieht es das im November 2003 beschlossene GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) vor. Die Gesundheitskarte löst die bisherige Krankenversicherungskarte ab. Sie soll technisch so weiterentwickelt sein, dass sie nicht nur für administrative Zwecke eingesetzt werden kann, sondern auch Gesundheitsdaten verfügbar machen kann. Um eine größtmögliche Sicherheit der Daten zu gewährleisten, wird die Karte daher so ausgestaltet sein, dass sie elektronische Identitätsprüfung, Verschlüsselung und elektronische Signatur ermöglicht. Mit Bild und Chip könnte das neue Kärtchen somit zu einer Art Generalschlüssel für das Gesundheitswesen werden.
Durch diese ,,elektronische Patientenakte" sollen vor allem teure Doppeluntersuchungen und gefährliche Wechselwirkungen vermieden werden. Jeder behandelnde Arzt soll die Krankengeschichte eines Patienten einsehen können, ohne selbst noch einmal Blut abnehmen oder röntgen zu müssen. Die Bundesregierung erhofft sich dadurch Milliarden-Einsparungen im Gesundheitsbereich. Doch die praktische Umsetzung erfordert einen gewaltigen technischen Aufwand, denn Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser und Krankenkassen müssen auf einen gemeinsamen technischen Standard gebracht werden. Im August 2004 erzielten Ärzte und Krankenkassen eine grundsätzliche Einigung über die Finanzierung der Infrastruktur für die Gesundheitskarte. Demnach übernehmen die Kassen den größten Teil der Kosten, die auf insgesamt mindestens 1,4 Milliarden Euro beziffert werden.
Damit ist zwar eines der Haupthindernisse für eine termingerechte Einführung der Gesundheitskarte aus dem Weg geräumt. Unklarheit herrscht aber in einer anderen zentralen Frage: Das Gesetz zur Gesundheitsreform sieht ausdrücklich vor, dass der Patient die Hoheit über seine Daten behält. Wenn Patienten aber nur speichern lassen, was sie wollen, können sich die Ärzte nicht mehr auf die Vollständigkeit der Daten verlassen. Der Generalschlüssel klemmt also noch etwas.
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