Sicherheit bei der Auftragsvergabe
Schutz vor Phantomfrachtführern - Teil 2
Phantomfrachtführer sind keine klassischen Diebe. Sie agieren organisiert, nutzen echte Unternehmensdaten, manipulieren Kommunikationswege und schlagen gezielt in Situationen zu, in denen Zeitdruck herrscht – etwa vor Feiertagen oder bei knappen Kapazitäten.
Für Ihre Kundinnen und Kunden bedeutet das:
Der Schaden entsteht nicht auf der Straße und nicht immer an der Ladestelle, sondern bereits bei der Auftragsvergabe. Genau hier können Sie ansetzen, indem Sie Ihre Geschäftspartnerinnen und -partner für typische Schwachstellen sensibilisieren und konkrete Präventionsmaßnahmen vorschlagen, denn es sind oft einfache Versäumnisse, die Täter ausnutzen.
Transportaufträge, insbesondere über Frachtenbörsen, sollten nur nach sorgfältiger Prüfung vergeben werden:
- EU-Lizenzen, Genehmigungen und Versicherungsnachweise verifizieren
- Handelsregisterauszüge auf Plausibilität prüfen
- bei Unstimmigkeiten: Auftrag nicht vergeben
Die Botschaft: Vertrauen ist gut – dokumentierte Prüfung ist besser.
Es sollten nur verifizierte Ansprechpartner für die Vergabe und Annahme von Transportaufträgen genutzt werden, denn Kriminelle kapern gezielt Daten:
- E-Mail-Adressen werden minimal verändert,
- Telefonnummern werden ausgetauscht und
- Mobilnummern werden als Kontakt angegeben.
Daher gilt:
- ausschließlich bekannte und verifizierte Kontakte nutzen
- Kontaktdaten vor jeder Beauftragung abgleichen
- keine Kommunikation über Freemail-Adressen akzeptieren
Ihr Mehrwert: Sensibilisieren Sie Ihre Geschäftspartnerinnen und -partner für diese oft unterschätzte Manipulation.
Klassische Einstiegspunkte für Kriminelle:
- ungewöhnlich niedrige Frachtpreise
- spontane Angebote unbekannter Anbieter
- angebliche Hinweise auf Ladungsangebot durch Dritte
- freie Kapazitäten in stark ausgelasteten Transportphasen
Hier sollte gelten:
- keine Aufträge an unbekannte Unternehmen
- keine Entscheidungen unter Zeitdruck
- Besondere Vorsicht gilt bei kurzfristigem Laderaumbedarf
Besonders bei hochwertigen Gütern oder größeren Mengen:
- nur mit etablierten, bekannten Transportunternehmen arbeiten
- bestehende Geschäftsbeziehungen nutzen
- Subunternehmer möglichst ausschließen
Sicherheit entsteht durch Kontinuität, nicht durch spontane Vergaben.
Digitale Plattformen sind unverzichtbar – aber auch risikobehaftet:
- ausschließlich interne Kommunikationssysteme nutzen
- keine Auslagerung der Kommunikation nach außen
- Unterbeauftragungen untersagen
Ihre Kundinnen und Kunden auf kritische Situationen vorbereiten, indem Sie Risikobewusstsein schaffen.
Wenn es doch passiert: richtig reagieren
Trotz aller Vorsicht: Ein Schaden lässt sich nie vollständig ausschließen. Dann zählt Geschwindigkeit:
- sofortige Anzeige bei Polizei und Versicherer
- Hinweis auf möglichen bandenmäßigen Betrug
- aktive Unterstützung der Ermittlungen
Wichtig für Sie als Maklerin und Makler: Begleiten Sie Ihre Kundinnen und Kunden auch im Schadenfall kontinuierlich – denn hier zeigt sich Ihre wirkliche Stärke.
Fazit: Prävention ist der beste Versicherungsschutz
Phantomfrachtführer sind ein wachsendes Risiko in der Logistik. Doch der entscheidende Punkt ist: Die beste Schadenvermeidung beginnt lange vor dem Transport.
Als Maklerin oder Makler haben Sie die Möglichkeit, Ihre Kundinnen und Kunden entscheidend zu schützen:
- durch Aufklärung
- durch klare Handlungsempfehlungen
- durch aktives Risikomanagement
Damit werden Sie vom Versicherungsvermittler zum echten Risikopartner.
Nutzen Sie diese Checkliste und geben Sie Ihren Kundinnen und Kunden ein wirksames Instrument zur Vermeidung von Schäden in die Hand.